neuenormale.ch https://www.neuenormale.ch/blog/ Wed, 17 Jun 2026 04:50:25 +0000 de-DE hourly 1 Nature takes over - Wenn die Menschheit kurz innehält https://www.neuenormale.ch/blog/nature-takes-over-wenn-die-menschheit-mal-innehaelt/ https://www.neuenormale.ch/blog/nature-takes-over-wenn-die-menschheit-mal-innehaelt/#comments Thu, 18 Jun 2020 16:38:13 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/nature-takes-over-wenn-die-menschheit-mal-innehaelt/ Weiterlesen

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Wie sehr die Menschen bereits die Natur in ihre Grenzen getrieben, vernichtet oder überbetoniert hat, ist uns allen bewusst. Es erscheint mir manchmal, wie ein ständiger Krieg um Platz, Lebensraum und wer schlussendlich die Hosen anhat. Obwohl die Natur schon oft in grossen Katastrophen wie Taifuns, Erbeben oder Vulkanausbrüche gezeigt hat, wie sehr wir sie immer wieder unterschätzen, glauben wir weiterhin die Herren der Welt zu sein. Diese Einstellung besorgt mich schon lange. 

Wir müssen wieder lernen Respekt zu zeigen und verstehen, dass wir nicht die Einzigen auf diesem Planeten sind.

In dieser Zeit der Krise lass ich oft von wunderschönen Phänomenen, in denen sich die Tierwelt wieder zeigte. Beispielsweise wurden im Mittelmeer wieder Delfine gesehen, da die Schiffe im Hafen lahmgelegt blieben. Auch wenn diese Zeit der Corona-Kriese viel Leid brachte und die Menschheit für einen Moment die Luft anhielt, zeigte es uns zum ersten Mal, was unsere Existenz für einen grossen Teil der Welt bedeutet. Endlich können wir etwas verstehen, wie sich bedrohte Tiere fühlen jeden Tag. Wie es sich anfühlt, sich nicht ohne Todesangst im eigenen Lebensraum bewegen zu können.

Für uns waren es nur wenige Monate, doch für die Wälder, Tiere, Korallen ist es zum Alltag geworden, um ihr Leben zu fürchten. Die Welt, wie wir sie kennen, liegt in Ketten. Und dies nur, um unseren Lebensstil zu erhalten. Wie könnten auch anders Leben, dies zeigte diese Krise. Klar, die Wirtschaft würde Leiden und somit auch Jobs, Existenzen verschwinden. Doch schlussendlich wäre es einfach nur ein längeres Durchatmen, das ewige Wachstum einmal ruhen lassen und die Welt wäre wieder ein schönerer Ort.

Ich lass ein Satz in den sozialen Medien, der mich aufhorchen liess:

 «Kaum kaufen wir nur noch, was wir wirklich brauchen, bricht die Wirtschaft zusammen.»

Es geht auch anders, es geht auch ohne diesen Krieg gegen unsere Mutter Erde, die verzweifelt versucht uns zu warnen. Lange wird der Kampf nicht mehr gehen. Bald werden wir gewonnen haben. Bald werden wir merken, was wir getan haben.

Es gibt keine Menschheit, ohne die Natur. 

Wir sind ein Teil der Natur. 

Dies scheinen wir nur immer wieder zu vergessen. 

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Die schmale Grenze zwischen Wahnsinn und Vernunft https://www.neuenormale.ch/blog/die-schmale-grenze-zwischen-wahnsinn-und-vernunft/ https://www.neuenormale.ch/blog/die-schmale-grenze-zwischen-wahnsinn-und-vernunft/#comments Wed, 20 May 2020 11:41:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/die-schmale-grenze-zwischen-wahnsinn-und-vernunft/ Weiterlesen

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Die Lockerungen sind im vollen Gange. Die Menschen strahlen, umarmen und gehen wieder aus dem Haus. Wie schön es doch war, endlich wieder einmal mit, wenn auch nur wenigen, Freunden draussen an der Sonne eine Stange zu bestellen und den Luxus der Gastronomie zu geniessen. Klar, die Reglementierungen sind streng, doch als Gast konnte ich in diesem Moment die Krise für einen Moment ausblenden. 

Allerdings sieht es auf der anderen Seite der Theke etwas anders aus. 

Ich selbst arbeite in der Gastronomie und konnte meinen Ohren nicht trauen, als unser Schutzkonzept besprochen wurde. Arbeitstrennung an der Front: eine Person hinter der Bar, eine platziert die Gäste, komplett Desinfektion der gesamten Bar - dies erinnerte mich etwas an die öffentlichen Toiletten, welche komplett geduscht werden, nach jeder Benutzung - höchstens vier Personen an einem Tisch, Handschuhe, Masken, das komplette Programm. Ich fühlte mich, als hätte ich kurz mal die Branche zur Pflegeassistentin gewechselt. 

Wo bleibt den noch der Kern meiner Arbeit, wenn ich meine Gäste nicht einmal anlächeln kann? 

Wo bleibt die gemütliche Atmosphäre eines Barbesuchs, wenn jeder wie ein sich eingepisster Junkie behandelt wird? Da jede berührte Oberfläche sofort geputzt wird. Bis wohin steht die Sicherheit im Vordergrund und wird dem Virus den Kampf angesagt und ab wann ist es reiner Wahnsinn

Selbstverständlich nehme auch ich die Corona-Krise ernst und vertraue unserem Bund, dass sie alles machen, um uns Bürger zu schützen. Abstand ist wichtig, Händewaschen ist wichtig und an vorderster Stelle: Den Schutz von Personen in der Risikogruppe. All dies ist mir völlig bewusst und ich kann verstehen, wenn wir bei der Arbeit genau diese Dinge einhalten. Doch, irgendwann übernimmt die Angst und man sieht wirklich überall nur noch die unsichtbare Gefahr. 

Jede Person, die sich entscheidet in eine Bar zu gehen, ist sich bewusst, dass ein Risiko besteht. Gerade deshalb, möchte ich den wenigen Gästen, die ich bedienen darf, einen schönen Abend bereiten und ihnen wenigstens ein bisschen das Gefühl von "Normalität" vermitteln können. 

Entschuldigung, ich meine natürlich die "neue Normalität". Aber wenigstens nicht die "neue Panik". 

Gesundheit ist wichtig. Die psychische Gesundheit wird nur leider immer wieder vergessen. Ein gemütlicher Abend, eine kurze Zeit ohne diese Anspannung, das Gefühl willkommen zu sein und mit Freunden lachen zu können, wirkt hierbei Wunder. 

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Fakt und Fake https://www.neuenormale.ch/blog/fakt-und-fake/ https://www.neuenormale.ch/blog/fakt-und-fake/#comments Sun, 17 May 2020 14:14:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/fakt-und-fake/ Weiterlesen

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Die derzeitigen Berichte über Demonstrationen gegen - im weitesten Sinne - Corona-Massnahmen sind bemerkenswert. Die Meinungen und Einstellungen der sich daran Beteiligenden basieren offenbar auf Informationen und Interpretationen von zweifelhaftem Wert.

Die ZEIT hat im Rahmen eines Artikels "Die Vorsicht scheint vorbei" jetzt Quellen veröffentlicht, die nach wissenschaftlichen Standards mit Fakten gespeist werden: Das COSMO-Monitoring, an dem deutsche und amerikanische Universitäten und Forschungsinstitute beteiligt sind. Zu den Zielen des Projekts schreiben die Autor*innen:

"Ziel dieses Projektes ist es, wiederholt einen Einblick zu erhalten, wie die Bevölkerung die Corona-Pandemie wahrnimmt: wie sich die “psychologische Lage” abzeichnet. Dies soll es erleichtern, Kommunikationsmaßnahmen und die Berichterstattung so auszurichten, um der Bevölkerung korrektes, hilfreiches Wissen anzubieten und Falschinformationen und Aktionismus vorzubeugen. So soll z.B. auch versucht werden, medial stark diskutiertes Verhalten einzuordnen.

Diese Seite soll damit Behörden, Medienvertretern, aber auch der Bevölkerung dazu dienen, die psychologischen Herausforderungen der COVID-19 Epidemie einschätzen zu können und im besten Falle zu bewältigen.

Alle Daten und Schlussfolgerungen sind als vorläufig zu betrachten und unterliegen ständiger Veränderung. Ein Review Team von wissenschaftlichen Kolleg/innen sichert zudem die Qualität der Daten und Schlussfolgerungen. Trotz größter wissenschaftlicher Sorgfalt und dem Mehr-Augen-Prinzip haften die beteiligten Wissenschaftler/innen nicht für die Inhalte."

Interessant ist auch der Mobility-Report, welcher im Rahmen des Covid-19 Mobility Project des Robert Koch Instituts und der Humboldt Universität Berlin herausgegeben wird.

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Kaffee-Gedanken https://www.neuenormale.ch/blog/kaffee-gedanken/ https://www.neuenormale.ch/blog/kaffee-gedanken/#comments Sat, 16 May 2020 14:37:00 +0000 caffè Konsum Amore Corona Kaffee https://www.neuenormale.ch/blog/kaffee-gedanken/ Weiterlesen

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Am Dienstag gingen mein Freund und ich das erste Mal nach dem Lockdown ins Kaffee nebenan. Ich habe mir während dem Lockdown so viele nostalgische Gedanken gemacht und überlegt, wie es wohl sein wird, endlich wieder irgendwo rein sitzen zu können. Und die Realität ist: So anders oder speziell war es überhaupt nicht. Eher so, als würde ich in eine alte Gewohnheit zurückfallen. Gut, die Tische wurden ein wenig verschoben, sodass die 2 Meter Abstand eingehalten werden können und überall stehen Desinfektionsmittel rum. Von meinem Gefühl her jedoch nichts Neues.

Am Dienstag Mittag war ich also im Kaffee, am Nachmittag wechselte ich für das «Homeoffice» das Kaffee und am Mittwoch Morgen war ich schon wieder in einem Kaffee und war am «zmörgele». Ich bin also wieder voll dem Konsum verfallen. Die Hygienevorschriften wirklich sehr genau einzuhalten ist sehr schwierig in der Gastronomie und ich frage mich ernsthaft, wieso dass die Gastronomiebetriebe schon wieder aufgemacht haben. Vielleicht um die Wirtschaft wieder ein wenig anzukurbeln?

Da ich nicht mehr ohne Trambillett in der Stadt rumfahren kann ohne kontrolliert zu werden, bin ich nun mit meinem Velo unterwegs. Und seit nun wieder alles offen ist, packt mich beim vorbeifahren die Lust extrem in einen Laden reinzugehen und rumzustöbern. Brauche ich ein neues T-Shirt? Meine Joggingschuhe sind kaputt.. Was gibt es Neues? Eigentlich brauche ich überhaupt nichts, ich habe alles. Es war schon sehr befreiend, ohne diese konsumgeleiteten Gedanken zu leben. Nun sind sie wieder da und sie nerven mich extrem. Sie fallen mir auch sehr auf und ich merke richtig, dass ich mich doch ein Stück weit kontrollieren muss. In der kapitalistischen Welt, wo alles leuchtet und die einem das Gefühl gibt, man braucht irgendetwas und sowieso immer noch mehr, ist es schon unglaublich schwierig, die Kontrolle die ganze Zeit aufrechtzuerhalten. Ich finde, es kostet sehr viel Energie, die ich eigentlich anders einsetzen möchte. Und gerade jetzt möchte ich mich wieder zurückziehen nach Hause in meinen Lockdown. Nur scheisse, dass der Kaffee einfach besser ist nebenan.

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Historische Epidemien und ihre (sozialen) Folgen https://www.neuenormale.ch/blog/historische-epidemien-und-ihre-sozialen-folgen/ https://www.neuenormale.ch/blog/historische-epidemien-und-ihre-sozialen-folgen/#comments Sun, 10 May 2020 14:31:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/historische-epidemien-und-ihre-sozialen-folgen/ Weiterlesen

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Eher zufällig bin ich bei der Zeitungslektüre darauf gestossen: die "attische Seuche", eine Epidemie im antiken Griechenland (430 bis 426 v. Chr.) kann als Beginn starker sozialer Veränderungen verstanden werden und wird sogar für den Untergang der griechischen Hochkultur verantwortlich gemacht.

Ein kurzer Überblick über historische Epidemien und ihre (sozialen) Folgen findet sich in einem Beitrag von BR 24.

Das übergeordnete Muster scheint so auszusehen, dass zunächst die etablierten Strukturen und sozialen Ordnungen erodieren, einbrechen und teilweise zerfallen. Diese waren aber jeweils konstituierend für die "Erfolge" der jeweiligen Kultur. Indem die Erfolgsmuster wegbrechen, öffnet sich die Möglichkeit zur Veränderungen. Diese sind (aus heutiger Sicht) teilweise negativ, aber - überraschenderweise - auch positiv. So werden etwa notwendige Massnahmen nach dem jeweiligen Wissenstand ergriffen, um für künftige Ereignisse ähnliche Qualitäten vorbereitet zu sein bzw. diese erst gar nicht entstehen zu lassen.

Einmal mehr zeigt sich: die Krise ist häufig Wendepunkt (Bifurkationspunkt). Um den Wendepunkt herum werden bisherige Ordnungsparameter in Frage gestellt, ausgesetzt, spontan neue hergestellt ("erfunden"), die zum Teil nur episodisch und temporär in Kraft bleiben, teilweise aber auch zu neuen stabilen Ordnungsmuster in sozialen Systemen führen.

Es ist interessant, diese Transitionen zu beobachten und zu beschreiben. Wer immer jetzt entsprechende Beobachtungen macht, ist willkommen, diese hier zur Verfügung zu stellen.


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Kreativität https://www.neuenormale.ch/blog/kreativitaet/ https://www.neuenormale.ch/blog/kreativitaet/#comments Wed, 06 May 2020 10:23:43 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/kreativitaet/ Weiterlesen

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Problem: Mann feiert seinen Geburtstag, Blumenläden haben geschlossen, die Ehefrau möchte ihm aber gerne Blumen schenken.

Lösung: Blume selber basteln!

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Warm Data https://www.neuenormale.ch/blog/warm-data/ https://www.neuenormale.ch/blog/warm-data/#comments Tue, 05 May 2020 13:53:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/warm-data/ Weiterlesen

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Krisenzeiten sind besondere Zeiten. Eben keine "normalen" Zeiten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass einerseits verlangsamte, andererseits beschleunigte Phänomene bei uns selbst, aber auch bei anderen beobachtbar werden. Krisenzeiten sind Zeiten der Transition, der Übergänge.

Eine Krise ist immer eine Krise im bestimmten Kontext. Nora Bateson hat auf den Grundlagen der Arbeiten ihres Vaters, Gregory Bateson, eine Methode entwickelt, welcher sie den schönen, aber irritierenden Titel "Warm Data Lab" gegeben hat.

Torben Lohmüller von Dark Horse in Berlin hat kürzlich in einem podcast einige Hinweise zu "warmen Daten" aus seiner Erfahrung zur Verfügung gestellt.

Wir werden uns aktuell der systemischen Verbindungen und Relationen in Zeiten der Krise besonders bewusst. Zum Beispiel neben den ökonomischen Vorteilen auch der vielen Nachteile einer globalisierten und auf Effizienz überbetonten, einseitigen Wertschöpfungsbetrachtung. Genau darum geht es bei der "Transkontexutualität" und genau dafür lohnt es sich, sich mit warmen Daten bzw. einem Warm Data Lab zu beschäftigen.

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Post-Wachstums-Perspektiven https://www.neuenormale.ch/blog/post-wachstums-perspektiven/ https://www.neuenormale.ch/blog/post-wachstums-perspektiven/#comments Fri, 01 May 2020 18:20:19 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/post-wachstums-perspektiven/ Weiterlesen

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Unbedingt den Artikel aus der ZEIT lesen.

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Oma allein Zuhause https://www.neuenormale.ch/blog/sehnsucht/ https://www.neuenormale.ch/blog/sehnsucht/#comments Fri, 01 May 2020 14:05:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/sehnsucht/ Weiterlesen

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Wenn die Sehnsucht nach den Enkel*innen in Kreativität und Schaffenskraft umschlägt. Wir vermissen dich auch, Oma!

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Perverse Logik https://www.neuenormale.ch/blog/perverse-logik/ https://www.neuenormale.ch/blog/perverse-logik/#comments Fri, 01 May 2020 13:17:05 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/perverse-logik/ Weiterlesen

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Dem deutschen SPIEGEL entnehme ich einen Artikel (mit Verweis auf einen Essay von Kathryn Olivarius in der New York Times), der die Immunisierung und deren "Vermarktung" an einem historischen Beispiel als sozialen Vorteil (etwa am Arbeitsmarkt) diskutiert.

Die Texte zeigen nicht nur die persönliche Not in einer sich dramatisch verändernden sozialen Welt auf, sondern auch die perverse Logik ökonomischer Kalküle, welche nur geringes Interesse an der Volksgesundheit hatten, weil sich mit dem "Spiel" des Risikos Preise drücken und Geld verdienen lassen konnte.

Ich werde spontan erinnert an den beklemmenden Roman von Jose Saramago "Stadt der Blinden" über das moralische Versagen und die zivilisatorische Fragilität unserer modernen Gesellschaften. Es bleibt zu hoffen, dass wir mittlerweile etwas dazu gelernt haben. Wir werden sehen, wie sich die beschworene Solidarität in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird bei erkennbar deutlichen und nachhaltigen wirtschaftlichen Einschnitten, die zu erwarten sind.



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Von der Krise in den Alltag https://www.neuenormale.ch/blog/von-der-krise-in-den-alltag/ https://www.neuenormale.ch/blog/von-der-krise-in-den-alltag/#comments Fri, 01 May 2020 10:12:00 +0000 Krise Normalität Lockerung Muster https://www.neuenormale.ch/blog/von-der-krise-in-den-alltag/ Weiterlesen

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Von der Krise in den Alltag

Inzwischen leben wir seit bald zwei Monaten in der Krise. Es scheint, dass die Menschen je länger je mehr Mühe haben, die strengen Regeln zu befolgen, der rekordverdächtig schöne April hat es uns nicht einfacher gemacht. Der Durchhaltewille schwindet, da wir merken: Das Ende ist nicht absehrbar, der neue Virus wird uns noch über dieses Jahr hinaus begleiten, die Krise wird zum Alltag werden. Wie verändert das unseren Umgang mit der Situation? Sind wir bereit, unseren Alltag langfristig und einschneidend für das grössere Ganze umzugestalten? Die Plätze, die in Zürich noch zugänglich sind, wirken nicht mehr so verlassen, wie zu Beginn der einschneidenden Massnahmen Mitte März. Das Plakat der Stadt Zürich "Bleiben Sie zu Hause. Bitte. Alle." erschien etwas bemitleidenswert, als ich zum Zeitpunkt des Fotos meinen Blick über das Gemeinschaftszentrum Wipkingen in Zürich schweifen liess. Zuhause bleiben sieht anders aus. Mit der ersten Phase der Lockerung werden die bestehenden Regeln auch etwas lockerer genommen, es bleibt spannend, wie es sich mit der "nächsten Welle" der Lockerungen verhalten wird.

Innere Konflikte

Der innere Konflikt zwischen "Was ist erlaubt", "Was ist vertretbar" und "Was mache ich sicher nicht" findet bei mir aktuell oft statt. 

Ist es in Ordnung einen Freund zu treffen, um zusammen spazieren zu gehen? Mit Arbeitsweg, Arzt, Apotheke oder Einkäufe hat das nichts zu tun. Wie sieht es mit der gemeinsamen Rad Ausfahrt aus, bei der dann doch sechs Freunde aufgetaucht sind, statt den erlaubten fünf? Immerhin kann das Gewissen durch die Begrüssungsform gelindert werden: Wir haben auf den Körperkontakt verzichtet. Die von einem Freund zitierte Studie über Distanzen im Sport, lässt mich kurz leer schlucken. Gemeinsame Ausfahren sind aktuell nicht vertretbar, wenn es mit Personen ausserhalb des eigenen Haushaltes stattfindet, bei hohen Geschwindigkeiten könnten Übertragungen weit höhere Distanzen überwinden als die "sicheren" zwei Meter in normalen Situationen. Neben den inneren Konflikten, finde ich die Konflikte mit der Aussenwelt auch anspruchsvoll. Macht es Sinn andere auf ein Verhalten hinzuweisen, dass aktuell gar nicht geht? Oder werde ich damit zum Opfer der Doppelmoral? Mein eigenes Verhalten würde von Herrn Koch sicherlich auch nicht in den Himmel gelobt. 

Es mutet trotzdem komisch an, wie sich gewisse Leute verhalten, wenn sie ihr bestelltes Essen nach Hause geliefert bekommen, was ich selbst bei meiner Arbeit erlebt habe. Während die Mehrheit der Kunden sich höchst solidarisch und rücksichtsvoll verhält, gibt es auch einige, die das nicht hinkriegen. Vor lauter Ungeduld, vergessen sie die einfachsten Verhaltensregeln und verhalten sich wie ignorante Dummköpfe. Bei einem Kunde wies sogar die Frau des Kunden ihn auf sein Verhalten hin und fragte ihn: "Gelten die Regeln für dich nicht?" Er antwortete mit ernster Stimme "Solche Sachen treffen mich nie!". Ignoranz und kognitive Dissonanz scheint auch eine mögliche Form zu sein für den Umgang mit der aktuellen Situation, ob es in dieser Zeit sinnvoll ist so zu handeln und zu denken, erscheint fragwürdig. Während wir höchstwahrscheinlich relativ gut aus der Krise kommen werden, tragen wir eine auch eine globale Verantwortung den Virus so gut wie möglich einzugrenzen. Entwicklungsländer werden weit grössere Probleme haben, dem Virus in gleicher Weise wie wir Herr zu werden und mit den damit einhergehenden Folgen umzugehen.

Doppelte Gesundheit

Bis zum Ende gar keinen Kontakt zu seinen engeren Freunden zu pflegen, scheint für mich auch keine Lösung. Was bringt die gesicherte physische Gesundheit, wenn die psychische leidet? So versuche ich weiterhin ein Mittelmass zu finden, welche mich und meine Mitmenschen möglichst gesund hält, im doppelten Sinne, um den Übertrag von der Krise in den Alltag zu bewältigen und bleibe gespannt, wie es mit den neuen Lockerungen werden wird.

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Brief in die Corona-Isolation I https://www.neuenormale.ch/blog/liebe-celine/ https://www.neuenormale.ch/blog/liebe-celine/#comments Thu, 30 Apr 2020 23:32:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/liebe-celine/ Weiterlesen

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Liebe Céline

Du hast gehofft, die Schliessung der Schulen aufgrund der Coronakrise bringe dir Freizeit. Zeit, mit Freund*innen etwas zu unternehmen. Zeit rauszugehen. Zeit zu entspannen. Freie Zeit, Freiheit. 

Ich kann deine Entrüstung, die ich in deinem Schulaufsatz über deinen Alltag während der Krise lese, sehr gut nachvollziehen. Du hast Freizeit erwartet und einen Berg von schulischen Pflichten erhalten, die du alleine bearbeiten musst. Das ist eine riesige Herausforderung. Wenn ich dich richtig verstanden habe, fehlen dir nämlich nicht nur die Schulkamerad*innen, sondern auch die Orientierung und Anleitung durch die Lehrpersonen. Ist es nicht erstaunlich, dass dir plötzlich fehlt, was dir vorhin zu viel war? In der Krisenzeit geht es wohl vielen Menschen so. Ich zum Beispiel vermisse meinen Arbeitsort, Zürich. Die Stadt, die mir gerade zu Stosszeiten auch einmal zu viel werden konnte. 

«Entrüstung ist ein erregter Zustand der Seele, der meist dann eintritt, wenn man erwischt wird.» – Wilhelm Busch

Das Coronavirus bietet dir jetzt die Möglichkeit, deine Tage frei einzuteilen, Schwerpunkte zu setzen und den Terminkalender selber zu führen. Du könntest deine Zeit so einteilen, dass es möglich wird, mitten im Vormittag ein Schaumbad zu nehmen oder einen Kuchen zu backen. Im Home-Schooling-Korsett sind viele Freiheitsgrade für dich drin. Aber auch Herausforderungen wie technische Probleme, neue Arbeitsweisen und -plätze sowie Familienmitglieder, die mit der Zeit nerven. Das wird im Erwerbsleben dann übrigens nicht besser. Ausser dass dann Chef*innen, Arbeitskolleg*innen, Kund*inne oder Patient*innen nerven. Und hin und wieder nervt man sich auch über sich selber – so geht es zumindest mir.  Denn Selbstorganisation und Selbstführung braucht viel Fingerspitzengefühl und Ehrlichkeit. Nicht zuletzt geht es dabei um Kernfragen wie: Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich, was muss ich noch lernen? Wo will ich hin? Wozu möchte ich etwas beitragen? Und: Wer kann mich dabei unterstützen? Und glaube mir, die meisten sogenannte erwachsene Menschen können nicht alle dieser Fragen beantworten. Ich übrigens auch nicht. 

Brief I

Du hast während der Corona-Krise auf Freizeit gehofft, nun hast du zumindest gewisse Freiheiten bekommen –  und du wünscht dir die Struktur der Schule zurück. Das ist ja eigentlich ungeheuerlich. Aber in der Freiheit liegen auch Verantwortung und Verpflichtung, was Menschen schnell überfordern kann. Gerade weil noch viele dieser Kernfragen offen sind. Wenn wir unsere Prioritäten nicht kennen, ist es schwierig Entscheidungen zu treffen. Und Eigenverantwortung zu tragen, heisst nun einmal Entscheidungen zu fällen. Und wenn die Entscheidung nur heisst: Mathe oder Englisch, Ausschlafen oder Arbeiten. Du beschreibst diese Herausforderung entwaffnend ehrlich, was mich total beeindruckt. 

Langeweile und Sehnsucht in der Corona-Krise

Sich selber die Überforderung einzugestehen und sie auch noch in einem Aufsatz zu thematisieren, erfordert Stärke. Hut ab! Ich bin sicher, dass du einen Weg gefunden hast. Gerade weil du zum Zeitpunkt als du deinen Aufsatz geschrieben hast von Serien schon gelangweilt warst und schlechte Laune hattest, weil du deine Freund*innen vermisst hast. Langeweile und Sehnsucht machen bekanntermassen kreativ. Triff deine Entscheidungen und verfolge seine Ziele.  Es würde mich sehr interessieren, was dabei herauskommt. Verrätst du's mir? Ich verrate dir dann dafür nächste Woche, warum ich glaube, dass du eine gute Freundin bist. 

Herzliche Grüsse

Dein Pink Flamingo

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KLIMAWANDEL?! Was geht alles im Trubel der Krise vergessen? https://www.neuenormale.ch/blog/klimawandel-was-geht-alles-im-trubel-der-krise-vergessen/ https://www.neuenormale.ch/blog/klimawandel-was-geht-alles-im-trubel-der-krise-vergessen/#comments Thu, 30 Apr 2020 17:00:00 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/klimawandel-was-geht-alles-im-trubel-der-krise-vergessen/ Weiterlesen

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Sei es die politische Lage in Hongkong, der Welthunger, die Flüchtlingskrise in Europa oder die Klimawandel Bewegung, es scheint, als würde die Corona-Krise viele andere Themen in den Schatten stellen. Natürlich schwirrt eine globale Krise, wie eine Pandemie, in jedermanns Gedanken an vorderster Stelle. Schließlich spüren plötzlich Menschen eine Todesangst, welche sich dies in der Blase der 1. Welt so nicht gewohnt sind. Staatssysteme werden herausgefordert, Solidarität verlangt und die Wirtschaft in eine Ecke gezwängt. 


Bleibt der Klimawandel auch Zuhause und wartet? 


Allerdings stecken wir schon lange mitten in einer Krise. Die Menschheit wird immer wieder erneut auf die Probe gestellt. Die bisher grösste Herausforderung zur Zeit scheint der Klimawandel zu sein. Schon seit Jahrzehnten versuchen Aktivisten und Wissenschaftler auf die steigenden Temperaturen, das Schmelzen der Gletscher und das Aussterben bedrohter Spezies aufmerksam zu machen, doch viel getan wurde bisher nicht. 

Es ist ein globales Problem. Genauso wie die Corona-Krise. Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden, an einem Strang ziehen. 

Ich hoffe, wir vergessen in dieser schwierigen Zeit nicht, dass neben dem Covid-19 auch andere Themen wichtig und dringend sind und nutzen diese Erfahrung, um uns in internationalem Teamwork zu üben.

Wir werden diese Skills noch brauchen können! 

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Chaos https://www.neuenormale.ch/blog/chaos/ https://www.neuenormale.ch/blog/chaos/#comments Thu, 30 Apr 2020 11:34:24 +0000 https://www.neuenormale.ch/blog/chaos/ Weiterlesen

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Übergänge sind häufig gekennzeichnet durch "Chaos". Das Wort bedeutet eigentlich "der unendlich leere Raum", "die gestaltlose Urmasse (des Weltalls)". Was für eine schöne Metapher für das Potential und die Möglichkeiten, die Übergangsräume zur Verfügung stellen! Man muss sie nur wahrnehmen können. Und man muss akzeptieren wollen, dass eine Ordnung nicht sofort durch eine andere ersetzt werden kann (muss).

Dass jedenfalls im Zusammenhang mit Chaos Lebensfreude pur herrschen kann, zeigt sich an diesem Bild: Eine Aufnahme vom Frühstückstisch einiger Jugendlicher, welche die von Eltern ordnungsbefreite Zeit auf ihre eigene Weise nutzen. Die Jugendzeit ist voll von und reich an Übergängen. Eine anstrengende, aber auch überauss intensive Zeit.

Insofern schlage ich vor, die verbleibende Zeit des kleinen Chaos im lockdown der Krise jetzt rasch aktiv zu nutzen und sich auf den Entdeckungsweg zu machen: wo sind die spannenden Räume, die Michel Foucault als "Heterotopien" bezeichnet hat? Orte, an denen gewisse soziale Regeln und Ordnungen nicht oder nicht mehr oder nicht mehr vollständig gelten, "neue" Regeln aber nicht, noch nicht oder nicht vollständig erkennbar sind. Hier ist der Raum für Gestaltung und soziale Innovationen: neue Wege zu entdecken, zu etablieren und zu verstetigen, wie wir künftig miteinander umgehen wollen.

Diese Räume zu suchen, zu entdecken und zu bespielen ist - by the way - auch hervorragende Möglichkeiten, sich selbst neu zu erfinden. Wenn man das denn will.

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